Agnes Szabo
30. Oktober 2019
"Schau Liebes, die nette Frau dort!, Sie hat die Geschichte über Adam und die Wunderdecke geschrieben!" Interview mit Agnes Szabó, die Autorin der Geschichten der Tulpenkelchgruppe.

Langsam ist es ein Jahr her, dass die Geschichten der Tulpenkelchgruppe ihren Anfang nahmen und die Erzählnachmittage eroberten!
Wir erzählen euch gerne, wie die Lieblingsgruppe der Kinder zum Leben erweckt wurde! Agi, Autorin und Illustratorin der Serie, erzählt uns nun von der Entstehungsgeschichte der Geschichten: dem Beginn, den Hintergründen der Erzählungen.
Wie sind die Geschichten der Tulpenkelchgruppe entstanden, wann hast du dich entschieden, ein Märchenbuch zu schreiben?
Die Idee entstand, als mein erstes Kind in den Kindergarten kam. In einem Kindergarten passiert Vieles, alles ist neu, zum ersten Mal die Kindergärtnerin sehen, die Kinder, die Räume und die Spiele. Die Kinder kommen nach Hause und erzählen ihre Eindrücke. Als wir uns abends zusammensetzten, um über die Ereignisse des Tages zu sprechen und vielleicht sogar von einem Buch ähnliche Geschichten vorzulesen, konnte ich kein Buch finden, das mir dabei geholfen hätte. Da kam mir die Idee, die Ereignisse, die sich speziell innerhalb einer Kindergartengruppe abspielen, in Erzählform aufzuschreiben.

Wie hast du angefangen zu schreiben?
Ich war zu Hause mit meiner ersten Tochter, später kam die zweite dazu. Ich hatte Zeit zu beobachten und zu erleben, was in einem Kindergarten passiert und mit welchen Erfahrungen mein Kind nach Hause kommt. In dieser Hinsicht habe ich meiner älteren Tochter, die übrigens in der Tulpengruppe war, viel zu verdanken. Daraus entstand der Titel der Serie. Ich hatte viele verschiedene Titel-Ideen gehabt, aber am Ende bin ich dabei geblieben, und so ist die Tulpenkelchgruppe entstanden.
Wie entstehen immer neuere Erzählungen? Erzähle uns etwas über den Prozess!
Es gibt keinen bestimmten Prozess, zumindest für mich. Ich habe einfach alles um mich herum beobachtet, spontan auf der Strasse, am Spielplatz. Im Kindergarten sieht und hört man auch einiges, und natürlich habe ich durch meine eigenen Kinder viele Erfahrungen gesammelt.
Zum Beispiel hatte meine Tochter 2 Jahre lang Angst vor Hunden, sie bekam Wutanfälle, weinte. Die Geschichte skizzierte ich gleich. Ein anderes Beispiel ist die Geschichte von Hanna und der Herr Doktor. Meine ältere Tochter hat immer noch Angst von dem Kinderarzt, von Herr Doktor Bernhard. Also ja, der Herr Doktor ist echt, er hat von mir auch die Geschichte bekommen, er freute sich sehr darüber.
Ich sammle also eigenen Erfahrungen, Erlebnisse aus unserem Familienleben. Ich bin keine Erzieherin, also das reale, alltägliche Kindergarten-Leben kenne ich nicht, wie ich die Situatinoen in der Realität handhaben würde, also versuche ich mir diese bildlich vorzustellen.

Bedeutet das, dass die Bücher auch etwas für Erwachsene sind?
Ja, ich hoffe, sie helfen nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern. Ich denke auch, dass die abendliche Vorlesungen der Geschichten für doe Kinder das tägliche Erlebnisse im Kindergarten Erkenntnisse bringt . Vielleicht lässt sich Einiges so leichter verarbeiten. Gleichzeitig denke ich, dass es auch für die Eltern einfacher ist, wenn sie sehen, wie diese Kindergärtnerin die Situation gelöst hat. Natürlich gibt es im Leben keine sprechenden Suppenkellen, aber Sie können Kinderreime aufsagen, Fantasie beflügeln und das könnte eine Lösung sein. Das ist natürlich nur meine Überlegung.
Was gefällt dir am besten und was am wenigsten am Prozess des Schreibens und Zeichnens des Bilderbuchs?
Wenn mir etwas einfällt, möchte ich es normalerweise schnell aufschreiben, die Seiten ausrechnen und zeichnen. Das ist furchtbar viel Zeit, und ich will alles sofort, ich bin ungeduldig. Ich mag diese Momente sehr, in denen ich mich an die ersten Seiten setze und über den Prozess des Zeichnens nachdenke, die Details herausfinde, was und wie ich sie positioniere. Vielleicht fällt mir das Textschreiben am schwersten, weil ich gleichzeitig für Erwachsene schreiben möchte, aber die Kindersprache natürlich auch berücksichtigen sollte. Aus diesem Grund ist es nicht so einfach, eine Balance zwischen den beiden zu finden.

Was war deine größte Überraschung beim Zeichnen und Schreiben?
Vor allem, dass es viel Zeit in Anspruch nimmt, oft dauert einen ganzen Tag zwei Seiten eines Bilderbuchs zu zeichnen.
Wie hat es sich angefühlt, als du deine Bücher zum ersten Mal in der Druckerei gesehen hast, bereits im Endzustand?
Bei der Druckerei war das keine so große Überraschung mehr, weil wir sie vorab gedruckt haben. In einer kleinen Druckerei haben wir mehrfach geprüft, wie sie fertig aussehen würden. Wir möchten wissen, welches Papier das beste ist, ob es nicht knittert, wie die Farben aussehen. Letzteres hängt natürlich von der Druckerei ab. Zum Glück haben wir die richtige Wahl getroffen. Der Produktionsprozess in der großen Druckerei ist sehr interessant.
Wie hat es sich angefühlt, in den Buchladen zu gehen und deine Bücher in den Regalen zu sehen?
Es war ein unbeschreibliches Gefühl, obwohl ich keine Geschichten für die "Regale" schreibe, also wenn ich sie in den Händen eines kleinen Kindes sehe, ist die Freude größer. Wir waren aufgeregt, wir gingen in Pécs, in Ungarn in eines der Lira- Buchhandlungen und konnten zunächst unsere Geschichten nirgendwo sehen. Sie waren sehr versteckt, ganz hinten, nebeneinander aufgestellt, nicht einmal das farbige Decklatt war zu sehen. Also die erste Enttäuschung.
Gleichzeitig hatte ich auch in Pécs, in einer anderen Líra- Buchhandlung schön aufgestellt, gut sehbar.

Hast du schon einmal mit den Geschichten live, spontan, auf der Strasse begegnet?
Ja, ich meldete gerade mein Kind in der Schule an, als eine Mama mich gefragt hat, ob ich diejenige bin, die die Geschichten geschrieben hat. Als ich ja sagte, drehte sie sich zu ihrem Kind und sagte: "Schau mal, Schatz diese nette Frau hat Adam und die Wunderdecke geschrieben!" Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte, das Kind schaute mich mit großen Augen an. Ich denke, die Kinder halten die Geschichten für ein Märchen, sie denken nicht daran, dass jemand die Bilder malt oder schreibt, dass eine reale Person dahinter steht. Auf jeden Fall war es eine niedliche Szene, sie erfüllte mich mit einem guten Gefühl.
Apropos „Öffentlichkeit“, wie fühlt es sich zum Beispiel an, wenn man sich auf einem Plakat oder in den sozialen Medien sieht?
Ich mag Öffentliche Auftritte nicht, ich möchte nicht "berühmt" werden, das ist nicht meine Intention. Ich schreibe und zeichne diese Geschichten gerne und es spielt keine Rolle, wie viele Fans ich auf Facebook habe. Diese sind natürlich auch wichtig, denn ohne sie geht heute nichts mehr, aber das ist nicht meine Hauptmotivation. Vielmehr sehe ich den Sinn darin, wenn meine Kinder meine Skizzen toll finden, sie baten mich jeden Tag alles vorzulesen. Mir genügt es, andere Kinder auch mit den Erzählungen glücklich zu machen. Dass sie die Geschichten lesen, daraus lernen und sich auch mal vergnügen.

Geschichten über uns, mit uns und für uns!